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Welcher Kartenmix passt zu dir? Die eigentlich richtige Frage statt „Welche Einzelkarte?”

26. August 2026 · 18 Min. Lesezeit · Leonardo Rupprecht

Du hast wahrscheinlich schon fünf „Beste Kreditkarte 2026”-Listen gelesen – und bist immer noch unsicher. Kein Wunder: Diese Listen beantworten eine Frage, die für Meilensammler in Deutschland fast nie die richtige ist. Die eine Karte, die überall akzeptiert wird, ordentlich Punkte bringt, im Ausland nichts kostet und dich in die Lounge lässt, existiert nicht. Wer hier ernsthaft Meilen sammelt, kommt praktisch immer bei einer Kombination aus zwei bis drei Karten heraus – und die richtige Kombination hängt von deinem Reiseverhalten, deinen monatlichen Ausgaben und deinem Punkteziel ab, nicht von einer Rangliste.

Kurz gesagt: Ein sinnvoller Kartenmix in Deutschland besteht fast immer aus (1) einer Sammelkarte für Punkte oder Meilen – meist eine American Express –, (2) einer kostenlosen Visa oder Mastercard ohne Fremdwährungsgebühr für alle Fälle, in denen Amex nicht akzeptiert wird oder Auslandsentgelte anfallen würden, und (3) optional einer dritten Karte für einen Spezialjob (Loungezugang, Versicherungen, Meilenverfallsschutz). Für viele reicht die komplett kostenlose Variante: Payback Amex plus gebührenfreie Visa. Ein teurer Mix lohnt sich erst, wenn dein Umsatz und dein Reiseverhalten die Gebühren nachweislich wieder hereinholen.

Stand: August 2026. Gebühren, Sammelraten, Willkommensboni und Kartenbedingungen ändern sich regelmäßig. Maßgeblich sind allein die aktuell geltenden Bedingungen und Preisverzeichnisse des jeweiligen Herausgebers.

Warum „welche Einzelkarte?” die falsche Frage ist

Drei Realitäten des deutschen Marktes sorgen dafür, dass eine Einzelkarte fast immer eine Kompromisslösung ist:

1. Die besten Sammelkarten sind Amex – und Amex wird nicht überall akzeptiert. Die ergiebigsten Punkteprogramme (Membership Rewards, Payback über die Payback Amex) laufen über American Express. Die Akzeptanz ist in den letzten Jahren deutlich besser geworden – dazu unten mehr –, aber es bleiben Lücken: einzelne Händler, viele kleinere Geschäfte, manche Onlineshops und das Ausland abseits touristischer Infrastruktur.

2. Die deutschen Amex-Karten kosten im Ausland extra. Bei Zahlungen in Fremdwährung fällt bei den deutschen American-Express-Karten ein Fremdwährungsentgelt von 2 Prozent an (so weist es u. a. reisetopia für die Platinum aus; derselbe Satz gilt laut Fachquellen auch für die übrigen deutschen Amex-Karten). Wer außerhalb der Eurozone mit der Amex zahlt, bezahlt seine Punkte also indirekt mit – 2 Prozent Aufschlag fressen den Punktewert oft komplett auf.

3. Deutschland ist Girocard-Land. Laut der Bundesbank-Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025” (veröffentlicht Juli 2026) wurden Einkäufe 2025 zum ersten Mal mehrheitlich bargeldlos bezahlt – 55 Prozent der erfassten Zahlungen. Heißt aber auch: Fast die Hälfte läuft weiter über Bargeld, und ein großer Teil der Kartenzahlungen läuft über die Girocard, nicht über Kreditkarten. Es wird dir immer wieder passieren, dass ein Laden „nur EC” nimmt. Die Girocard bleibt deshalb ein stiller vierter Baustein im Portemonnaie – sie sammelt nichts, aber sie rettet dich beim Bäcker.

Wer diese drei Punkte ernst nimmt, stellt automatisch die bessere Frage: Welche Rollen müssen in meinem Portemonnaie besetzt sein – und welche Karte spielt welche Rolle am günstigsten?

Die drei Rollen im Kartenmix

Rolle 1: Die Sammelkarte (dein Punkte-Motor). Hier läuft jeder Euro Umsatz drüber, der irgendwie möglich ist. In Deutschland heißt das meist American Express, weil dort die Sammelraten und die Flexibilität am höchsten sind – Membership Rewards (kurz MR, das hauseigene Punkteprogramm von Amex) lassen sich zu mehreren Airline-Programmen transferieren. Alternative für Lufthansa-Fokussierte: eine Miles & More Kreditkarte, die direkt Meilen gutschreibt.

Rolle 2: Die Akzeptanzkarte (dein Lückenfüller und Auslandsspezialist). Eine Visa oder Mastercard ohne Jahresgebühr und ohne Fremdwährungsentgelt. Sie springt ein, wenn Amex nicht genommen wird, und übernimmt grundsätzlich alle Zahlungen außerhalb der Eurozone. Dass sie selbst keine oder kaum Punkte sammelt, ist verschmerzbar – ihr Job ist es, nichts zu kosten.

Rolle 3 (optional): Die Spezialkarte. Eine Karte, die du nicht wegen der Sammelrate hältst, sondern wegen eines konkreten Zusatznutzens: Loungezugang und Reiseguthaben (Amex Platinum), Reiseversicherungen (Amex Gold oder Miles & More Gold) oder Schutz vor Meilenverfall (Miles & More Kreditkarten). Diese Rolle ist der teuerste Teil des Mixes – und der einzige, bei dem du wirklich rechnen musst.

Dazu kommt die Girocard deines Girokontos als Notnagel – sie gehört nicht zur Optimierung, aber ins Portemonnaie.

Die Kandidaten für Rolle 1: Sammelkarten im Überblick

Alle Angaben Stand August 2026, laut den offiziellen Produktseiten:

KarteKostenSammelrateFür wen gedacht
Payback Amexdauerhaft 0 €1 Payback-Punkt pro 3 € (Tankstellenumsätze ausgenommen); bei Payback-Partnern zusätzlich reguläre PartnerpunkteEinsteiger ohne Gebührenbudget
Amex Blue0 € Jahresgebühr; MR-Teilnahme optional für 30 €/Jahrmit MR-Teilnahme 1 Punkt pro 1 €Nische – siehe Hinweis unten
American Express Card (Green)5 €/Monat; entfällt ab 9.000 € Jahresumsatz1 MR-Punkt pro 1 €Sammler mit solidem Umsatz, ohne Premium-Anspruch
Amex Gold240 €/Jahr (20 €/Monat)1 MR-Punkt pro 1 €Sammler, die Versicherungen und Guthaben nutzen
Amex Platinum720 €/Jahr (60 €/Monat)1 MR-Punkt pro 1 €Vielreisende mit Lounge- und Guthabennutzung
Miles & More Blue (Mastercard, Deutsche Bank)5,50 €/Monat (oder 1.650 Meilen)1 Meile pro 2 €Lufthansa-Sammler, v. a. wegen Meilenverfallsschutz
Miles & More Gold (Mastercard, Deutsche Bank)11,50 €/Monat (oder 3.450 Meilen)1 Meile pro 2 €Lufthansa-Vielflieger mit Versicherungsbedarf

Ein paar Einordnungen, die in Bestenlisten gern fehlen:

Membership Rewards sind flexibler als Meilen – aber sie fließen nicht direkt zu Miles & More. MR-Punkte lassen sich in Deutschland zu neun Airline-Programmen transferieren, u. a. British Airways Club, Flying Blue, Iberia und SAS EuroBonus je im Verhältnis 5:4 sowie Singapore KrisFlyer und Qatar Airways je 3:2 (Übersicht bei reisetopia). Einen direkten Transfer zu Miles & More gibt es nicht – nur den unattraktiven Umweg über Payback (3 MR = 1 Payback-Punkt = 1 Meile). Wer kompromisslos Lufthansa-Meilen will, sammelt sie also besser direkt: über eine Miles & More Karte oder – kostenlos – über die Payback Amex, denn Payback-Punkte wandern ab 200 Punkten im Verhältnis 1:1 und gebührenfrei zu Miles & More.

Die Payback Amex ist der unterschätzte Einstieg. 0 € Jahresgebühr, 1 Punkt pro 3 € Umsatz überall dort, wo Amex akzeptiert wird – effektiv also rund 0,33 Miles-&-More-Meilen pro Euro, wenn du die Punkte umwandelst. Das ist weniger als bei den MR-Karten, kostet aber nichts und schlägt die Sammelrate der kostenpflichtigen Miles & More Blue (0,5 Meilen pro Euro) gar nicht so deutlich, wie deren Monatsgebühr vermuten ließe.

Die Amex Blue ist für Punktesammler meist die falsche Wahl. Die Karte selbst ist kostenlos, aber die MR-Teilnahme kostet bei ihr 30 € pro Jahr extra. Wer ohnehin für Punkte zahlt, fährt mit der American Express Card (Green) ab mittlerem Umsatz oft besser – zumal deren Gebühr laut Amex ab 9.000 € Jahresumsatz ganz entfällt.

Die Miles & More Karten haben seit Oktober 2025 einen neuen Herausgeber. Zum 1. Oktober 2025 hat die Deutsche Bank die Lufthansa Miles & More Credit Card übernommen (vorher DKB); die Kartenpreise blieben dabei unverändert, neu sind u. a. Banking direkt in der Miles-&-More-App und Marriott-Bonvoy-Silver-Status für Gold-Karteninhaber und Frequent Traveller. Das wichtigste Argument dieser Karten ist ohnehin nicht die Sammelrate, sondern der Meilenverfallsschutz: Solange du die Karte hältst, verfallen deine Miles-&-More-Prämienmeilen nicht. Für Leute mit großem Meilenkonto ohne Vielfliegerstatus kann allein das die Monatsgebühr rechtfertigen – das ist aber eine Versicherungsentscheidung, keine Sammelentscheidung.

Die Kandidaten für Rolle 2: kostenlose Visa/Mastercard ohne Fremdwährungsgebühr

Diese Rolle ist erfreulich billig zu besetzen – hier vier verbreitete Optionen (alle dauerhaft ohne Jahresgebühr und ohne Fremdwährungsentgelt, Stand August 2026):

  • easybank Visa (ehemals Barclays Visa): Das deutsche Barclays-Privatkundengeschäft wurde im Februar 2026 in easybank umbenannt (BAWAG Group); Konditionen laut reisetopia zunächst unverändert. Echte Kreditkarte mit Verfügungsrahmen – praktisch für Mietwagen und Hotelkautionen. Achtung: Die Teilzahlung ist voreingestellt (rund 21 Prozent Sollzins), und der automatische Lastschrift-Vollausgleich kostet laut reisetopia inzwischen 2 € monatlich. Stelle auf vollständige Rückzahlung um bzw. gleiche per Überweisung aus – sonst wird die „kostenlose” Karte teuer.
  • Hanseatic Bank GenialCard (Visa): 0 € Jahresgebühr, weltweit gebührenfrei zahlen. Auch hier ist die Ratenzahlung bei Kontoeröffnung voreingestellt (19,92 Prozent effektiv) – in der App sofort auf 100-Prozent-Rückzahlung umstellen, dann bleibt sie wirklich kostenlos.
  • awa7 Visa (ebenfalls Hanseatic Bank): Sehr ähnliche Konditionen wie die GenialCard, mit Baumpflanz-Komponente; laut reisetopia im April 2026 von Stiftung Warentest empfohlen. Gleiche Pflichtübung: Teilzahlung deaktivieren.
  • Trade Republic Karte (Visa Debit): Keine Jahresgebühr, keine Fremdwährungsgebühr, dazu das Saveback-Programm: 1 Prozent des Kartenumsatzes fließt als Investment zurück, gedeckelt bei 15 € pro Monat und an einen laufenden Sparplan ab 50 €/Monat geknüpft (reisetopia). Wermutstropfen: Als Debitkarte wird sie bei Mietwagenkautionen und manchen Hotels nicht immer akzeptiert, und du brauchst ein Depot bei Trade Republic.

Welche du nimmst, ist zweitrangig – wichtig ist, dass die Rolle besetzt ist. Faustregel: Wer eine „echte” Kreditkarte für Kautionen braucht, nimmt easybank, GenialCard oder awa7 (und deaktiviert die Teilzahlung am Tag der Kontoeröffnung); wer ohnehin bei Trade Republic investiert, bekommt dort den kleinen Saveback-Bonus obendrauf.

Amex-Akzeptanz: wie groß ist die Lücke wirklich?

Die kurze, ehrliche Antwort: kleiner als ihr Ruf, aber groß genug, dass du ohne Zweitkarte nicht auskommst. Eine offizielle, belastbare Akzeptanzquote für Deutschland gibt es nicht – zum Zeitpunkt der Recherche konnte ich keine seriöse aktuelle Zahl bestätigen, deshalb nenne ich bewusst keine.

Was sich belegen lässt (travel-dealz-Übersicht zur Amex-Akzeptanz): Die Lage hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Aldi Nord und Süd, Lidl, Kaufland, Netto, Rewe und zuletzt auch Penny akzeptieren American Express, ebenso dm, Rossmann, Ikea, die großen Baumarkt- und Tankstellenketten und die Deutsche Bahn. Die typischen Lücken: Edeka nur in Teilen der Filialen, Norma gar nicht – und vor allem der lange Schwanz an unabhängigen Händlern, Restaurants, Bäckereien, Arztpraxen, Handwerkern und Ämtern, bei denen entweder gar keine Kreditkarte oder nur Girocard/Visa/Mastercard funktioniert. Im Ausland ist das Muster ähnlich: In Hotels und größeren Geschäften klappt Amex meist, abseits davon wird es dünn.

Praktisch heißt das: Deine Amex fängt – je nach Wohnort und Einkaufsverhalten – einen großen Teil deines Umsatzes ein, aber eben nicht alles. Jeder Euro, der mangels Akzeptanz an der Girocard oder in bar hängen bleibt, sammelt nichts. Die kostenlose Visa/Mastercard schließt genau diese Lücke – und übernimmt zusätzlich alle Fremdwährungsumsätze, bei denen die Amex 2 Prozent kosten würde.

Vier Beispielprofile mit konkretem Mix

Die folgenden Rechnungen sind Beispielrechnungen mit offengelegten Annahmen, keine Renditeversprechen. Was ein Punkt oder eine Meile wert ist, hängt stark von deiner Einlösung ab – wie du das für dich selbst rechnest, zeigt unser Grundlagenartikel zum Meilenwert.

Profil 1: Lena, Einsteigerin ohne Gebührenbudget

Lena (28) fliegt ein- bis zweimal im Jahr, meist innerhalb Europas, und will für Karten schlicht nichts bezahlen. Monatlicher Kartenumsatz: rund 800 €.

Mix: Payback Amex (0 €) + Hanseatic GenialCard oder awa7 (0 €).

Die Payback Amex sammelt bei allem, was Amex nimmt – bei Payback-Partnern wie Rewe oder dm sogar doppelt (Kartenpunkte plus Partnerpunkte über App/Karte). Die Punkte wandern bei Bedarf 1:1 zu Miles & More. Die kostenlose Visa deckt Akzeptanzlücken und den Auslandsurlaub ab. Beispielrechnung: Laufen 500 € pro Monat über die Amex, ergibt das rund 2.000 Payback-Punkte im Jahr allein aus dem Kartenumsatz – umwandelbar in 2.000 Meilen, Partnerpunkte noch nicht mitgezählt. Kein Vermögen – aber Fixkosten null, Risiko null, und Lena lernt das System kennen, bevor sie Gebühren bezahlt.

Profil 2: Daniel, Vielreisender mit Lounge-Bedarf

Daniel (41) sitzt sechs- bis achtmal im Jahr im Flieger, davon zwei Langstrecken, bucht Flüge und Hotels selbst und wartet oft genug an Flughäfen, dass Loungezugang für ihn echten Alltagswert hat. Kartenumsatz: rund 3.000 €/Monat, ein Teil davon in Fremdwährung.

Mix: Amex Platinum (720 €/Jahr) + easybank Visa (0 €).

Die Platinum bringt laut Amex u. a. 200 € Online-Reiseguthaben, 150 € Restaurantguthaben, 200 € Sixt-ride-Guthaben und 100 € Shoppingguthaben pro Jahr – zusammen bis zu 650 € – plus Priority-Pass-Mitgliedschaft mit 50 Lounge-Besuchen pro Jahr für Haupt- und Zusatzkarteninhaber. Die Rechnung ist simpel und gnadenlos zugleich: Nutzt Daniel Reise- und Restaurantguthaben ohnehin voll aus (was bei seinem Reiseprofil realistisch ist), bleiben von 720 € Jahresgebühr netto grob 70–370 € echte Kosten – je nachdem, wie viele der übrigen Guthaben er ohne Umwege verwerten kann. Dafür bekommt er Loungezugang, das Versicherungspaket und rund 36.000 MR-Punkte im Jahr aus seinem Amex-Umsatz. Die easybank Visa übernimmt alles außerhalb der Eurozone – denn 2 Prozent Fremdwährungsentgelt auf der Amex wären bei seinen Auslandsumsätzen teurer als jeder Punktegewinn. Ob sich die Platinum im Detail trägt, rechnen wir im separaten Platinum-Check vor.

Profil 3: Familie Krüger, hoher Alltagsumsatz, wenig Flüge

Zwei Erwachsene, zwei Kinder, ein Alltagsumsatz von rund 2.500 €/Monat (Lebensmittel, Tanken, Kinderkram, Versicherungen), aber nur ein Flugurlaub pro Jahr. Lounge brauchen sie nicht, Reiseversicherungen schon.

Mix: Amex Gold (240 €/Jahr) + kostenlose Visa (0 €) + konsequente Payback-Nutzung per App.

Mit 1.800 € monatlichem Amex-Umsatz kommen rund 21.600 MR-Punkte pro Jahr zusammen; dazu Reiserücktritts-, Reiseabbruch- und Auslandskrankenversicherung über die Karte – Leistungen, die eine Familie sonst separat bezahlt. Die Gold-Guthaben (u. a. Sixt, FreeNow, Shopping) sind nett, aber nur dann in die Rechnung einzubeziehen, wenn die Familie sie ohne Verrenkung nutzt. Ehrliche Alternative: Wenn die Krügers die Versicherungen schon anderweitig haben und die Guthaben nicht nutzen würden, ist der Sprung von der kostenlosen Payback Amex zur Gold den Aufpreis von 240 € oft nicht wert – dann lieber Profil-1-Mix und die 240 € ins Reisebudget.

Profil 4: Sarah, selbstständig mit Lufthansa-Fokus

Sarah (37) berät Kunden in ganz Europa, fliegt fast ausschließlich Lufthansa-Gruppe, hat 180.000 Miles-&-More-Meilen auf dem Konto – und keinen Vielfliegerstatus, der sie vor Meilenverfall schützt. Geschäftlicher und privater Kartenumsatz zusammen: gut 4.000 €/Monat.

Mix: Miles & More Gold (11,50 €/Monat) + American Express Card oder Amex Gold + kostenlose Visa (0 €).

Die Miles & More Gold ist hier zuerst Verfallsschutz (ihre 180.000 Meilen bleiben unbegrenzt gültig, solange sie die Karte hält) und Versicherungspaket, erst danach Sammelkarte – 1 Meile pro 2 € ist solide, mehr nicht. Die Amex läuft parallel als zweiter Punkte-Topf für alles, was Amex akzeptiert: MR-Punkte als flexible Reserve für Flying Blue, Avios & Co., falls Miles & More mal keine sinnvolle Prämie hergibt. Die kostenlose Visa deckt Fremdwährung und Akzeptanzlücken. Wichtig für Selbstständige: Die Trennung von geschäftlichen und privaten Umsätzen sauber halten und die Kartenbedingungen zur gewerblichen Nutzung prüfen – die hier genannten Karten sind Privatkundenprodukte.

Wenn du … dann: die Entscheidungstabelle

Wenn du …… dann ist ein sinnvoller Startpunkt
keine Jahresgebühren zahlen willstPayback Amex + GenialCard/awa7/easybank Visa (alles 0 €)
gezielt Miles-&-More-Meilen willst, ohne GebührPayback Amex (Punkte 1:1 zu Miles & More) + kostenlose Visa
ein großes Meilenkonto vor dem Verfall schützen musstMiles & More Blue oder Gold als Verfallsschutz + ggf. Amex als Sammelkarte
flexibel bleiben willst (mehrere Airlines)Amex mit Membership Rewards (Card/Gold) + kostenlose Visa
oft außerhalb der Eurozone unterwegs bistjede Sammelkarte + zwingend eine Visa/Mastercard ohne Fremdwährungsentgelt
regelmäßig Lounges nutzen würdest und viel reistAmex Platinum + kostenlose Visa – aber erst nach ehrlicher Guthaben-Rechnung
Reiseversicherungen über die Karte abdecken willstAmex Gold oder Miles & More Gold + kostenlose Visa
deinen Kartensaldo nicht sicher jeden Monat voll ausgleichstgar keine Sammelstrategie – erst Teilzahlung/Zinsen ausschließen (siehe unten)
unter 500 € pro Monat über Karten ausgibstdie kostenlose Lösung – Gebührenkarten rechnen sich hier kaum

Wann lohnt sich ein teurer Mix NICHT?

Dieser Abschnitt ist der wichtigste des Artikels, also ohne Weichzeichner:

1. Wenn dein Kartenumsatz zu niedrig ist. Bei 1 Punkt pro Euro erzeugen 500 € Monatsumsatz 6.000 MR-Punkte im Jahr. Selbst wenn du je Punkt bei guter Einlösung – das ist eine Annahme, kein Versprechen – etwa einen Cent Gegenwert herausholst, stehen rund 60 € Punktewert gegen 240 € Gebühr einer Amex Gold. Diese Rechnung wird durch keine Willkommensaktion dauerhaft gerettet. Faustregel: Unter etwa 1.000–1.500 € monatlichem Kartenumsatz brauchst du für eine Gebührenkarte einen anderen Grund als die Punkte (Versicherungen, Verfallsschutz, Guthaben, die du wirklich nutzt).

2. Wenn du die Guthaben nur „mitnehmen” würdest. Die 650 € Jahresguthaben der Platinum sind nur dann 650 € wert, wenn du Online-Reisebuchungen, Partnerrestaurants, Sixt ride und den Shoppingpartner ohnehin genutzt hättest. Wer sich Ausgaben von den Guthaben diktieren lässt, subventioniert die Jahresgebühr mit Geld, das er sonst nicht ausgegeben hätte. Gleiches gilt kleiner für die Gold-Guthaben.

3. Wenn du in Teilzahlung oder Sollzinsen rutschst. Alle hier genannten kostenlosen Visa-Karten (easybank, GenialCard, awa7) haben die Teilzahlung ab Werk aktiviert, mit effektiven Zinssätzen um die 20 Prozent. Ein einziger Monat vergessener Ausgleich auf 2.000 € Saldo kostet dich mehr, als die meisten Sammler im Quartal an Punktewert erzeugen. Wer sein Kartenkonto nicht sicher im Griff hat, sollte gar nicht über Punkte nachdenken – das ist keine Moralpredigt, sondern schlicht die Mathematik.

4. Wenn du kaum reist. MR-Punkte und Meilen entfalten ihren Wert fast nur bei Flug- und Hotelprämien. Wer Punkte am Ende in Gutscheine oder Sachprämien einlöst, bekommt meist deutlich weniger Gegenwert pro Punkt – dann ist ein simples Cashback-Modell wie das Saveback der Trade Republic Karte oder schlicht die kostenlose Lösung wirtschaftlich ehrlicher.

5. Wenn der Mix dich verwaltet statt umgekehrt. Drei Karten mit drei Apps, zwei Gebührenterminen, Guthaben-Stichtagen und Turbo-Optionen sind ein kleines Hobby. Wenn du das Hobby nicht willst, ist der beste Mix der einfachste: eine kostenlose Sammelkarte, eine kostenlose Visa, fertig.

Transparenz: PunkteRadar kann über einige Links Provisionen erhalten. Das beeinflusst nicht unsere Bewertung. Wir empfehlen Karten und Kombinationen nur dann, wenn sie aus unserer Sicht zum jeweiligen Nutzerprofil passen – und wenn sich ein teurer Mix für dich nicht rechnet, sagen wir das ebenso deutlich, wie wir es oben getan haben.

Fazit: Erst Profil, dann Portemonnaie

Die Frage „Welche Kreditkarte ist die beste?” führt in Deutschland in die Irre, weil keine Einzelkarte alle Rollen abdeckt. Sinnvoller ist der Dreischritt: Sammelkarte wählen (Amex MR für Flexibilität, Payback Amex für den Nulltarif, Miles & More Karte für Lufthansa-Fokus und Verfallsschutz), Akzeptanzkarte dazulegen (kostenlose Visa/Mastercard ohne Fremdwährungsentgelt – Pflichtbaustein für praktisch jeden), und erst dann prüfen, ob eine teure Spezialkarte wie die Platinum ihre Gebühr bei deinem konkreten Reiseverhalten wieder einspielt.

Für Einsteiger und alle mit moderatem Umsatz spricht vieles für den Nulltarif-Mix aus Profil 1 – er kostet nichts und lässt sich jederzeit aufrüsten. Für Vielreisende mit hohem Umsatz und echter Guthaben-Nutzung kann sich der Premium-Mix aus Profil 2 rechnen. Wer wenig fliegt, wenig Umsatz über Karten laufen lässt oder seinen Saldo nicht sicher ausgleicht, fährt mit der einfachsten Lösung am besten – und das ist keine Niederlage, sondern das Ergebnis einer sauberen Rechnung.

FAQ

Brauche ich als Amex-Inhaber wirklich eine zweite Karte? Praktisch ja. Trotz deutlich verbesserter Akzeptanz (inzwischen u. a. Aldi, Lidl, Kaufland, Penny, Rewe) bleiben Lücken bei einzelnen Ketten, vielen kleinen Händlern und im Ausland. Dazu kommt das Fremdwährungsentgelt von 2 Prozent bei den deutschen Amex-Karten – außerhalb der Eurozone ist eine gebührenfreie Visa/Mastercard fast immer die bessere Wahl.

Welche kostenlose Visa oder Mastercard passt als Zweitkarte? Bewährte Optionen ohne Jahresgebühr und ohne Fremdwährungsentgelt sind die easybank Visa (ehemals Barclays), die Hanseatic GenialCard, die awa7 Visa und – als Debitkarte mit Saveback – die Trade Republic Karte. Wichtig bei den drei „echten” Kreditkarten: sofort die voreingestellte Teilzahlung deaktivieren, sonst fallen rund 20 Prozent Zinsen an.

Kann ich Amex-Punkte zu Miles & More übertragen? Nicht direkt. Membership Rewards fließen zu Programmen wie British Airways Club, Flying Blue (je 5:4) oder KrisFlyer (3:2). Zu Miles & More geht es nur über den unattraktiven Payback-Umweg (3 MR = 1 Meile). Wer gezielt Lufthansa-Meilen will, sammelt besser direkt mit der Payback Amex (Payback-Punkte 1:1 zu Miles & More) oder einer Miles & More Kreditkarte.

Was hat sich bei den Miles & More Kreditkarten geändert? Seit dem 1. Oktober 2025 gibt die Deutsche Bank die Karten heraus (vorher DKB). Die Preise blieben laut Deutscher Bank unverändert (Blue 5,50 €/Monat, Gold 11,50 €/Monat, je 1 Meile pro 2 € Umsatz); neu sind u. a. Banking in der Miles-&-More-App und Marriott-Bonvoy-Silver-Status für Gold-Inhaber und Frequent Traveller. Der Meilenverfallsschutz bleibt bestehen.

Reicht die Payback Amex zum Meilensammeln? Für Einsteiger und Wenigflieger: ja. 1 Punkt pro 3 € Kartenumsatz (Tankstellen ausgenommen) plus Partnerpunkte, alles gebührenfrei und 1:1 zu Miles & More wandelbar. Wer mehr als grob 1.000–1.500 € pro Monat über Karten ausgibt und regelmäßig fliegt, holt mit einer MR-Karte pro Euro deutlich mehr heraus – bezahlt dafür aber Gebühren, die sich erst ab diesem Niveau rechnen.

Und was ist mit der Girocard? Sie sammelt nichts, bleibt aber nötig: Laut Bundesbank wurde 2025 zwar erstmals mehrheitlich (55 Prozent der Einkäufe) bargeldlos gezahlt, doch viele Händler akzeptieren weiterhin nur Girocard oder Bargeld. Behalte sie als Reserve – optimiere sie nicht.

Sind Willkommensboni ein Grund, eine teure Karte zu nehmen? Als Bonus obendrauf: ja, als alleiniger Grund: nein. Aktionen wie „bis zu 85.000 Punkte” bei der Platinum sind an Umsatzbedingungen geknüpft (dort: 10.000 € in sechs Monaten) und ändern sich laufend. Die Karte muss sich im zweiten Jahr ohne Bonus tragen – wie du Boni sinnvoll timst, behandeln wir in einem eigenen Artikel.

Quellen

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