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Prämienflüge

Warum kostet mein Prämienflug plötzlich mehr? Dynamic Pricing verständlich erklärt

26. August 2026 · 18 Min. Lesezeit · Leonardo Rupprecht

Du hast jahrelang Meilen gesammelt. Im Kopf hattest du eine feste Zahl: 55.000 Meilen für die Business Class nach New York und zurück, so stand es mal in der Prämientabelle. Jetzt öffnest du die Meilensuche — und siehst 89.000 Meilen. Am nächsten Tag 76.000. Eine Woche später 104.000. Nichts davon passt zu dem, was du dir ausgerechnet hattest, und nirgendwo steht, warum.

Das ist kein Fehler und kein Einzelfall. Miles & More hat 2025 das Preissystem für Prämienflüge grundlegend umgebaut: Statt einer festen Tabelle gilt für die Airlines der Lufthansa Group jetzt Dynamic Pricing. Dieser Artikel erklärt, was sich geändert hat, wie der Meilenpreis heute zustande kommt, was die Daten nach über einem Jahr zeigen — und mit welchen Strategien du trotzdem noch echten Wert aus deinen Meilen holst. Genauso wichtig: in welchen Fällen sich Miles-&-More-Meilen jetzt kaum noch lohnen.

Kurz gesagt: Seit dem 3. Juni 2025 richtet sich der Meilenpreis für Flüge mit Lufthansa, SWISS, Austrian und Lufthansa City (seit März 2026 auch Discover und Air Dolomiti) nach dem aktuellen Ticketpreis in Geld — er schwankt also wie ein normaler Flugpreis. Die feste Prämientabelle gilt nur noch für Partnerairlines wie United, LOT oder Singapore Airlines, dort allerdings mit erhöhten Meilenwerten. Meilenschnäppchen für Lufthansa-Group-Flüge wurden abgeschafft. Faustregel für heute: Meilen sind viel wert, wenn der Geldpreis hoch ist (Business/First, kurzfristig, gefragte Termine) oder wenn du den festen Partner-Chart nutzt. Sie sind wenig wert, wenn der Flug in Geld günstig wäre.

Stand: August 2026. Meilenpreise, Bedingungen und Verfügbarkeiten ändern sich beim Dynamic Pricing laufend — teils täglich. Alle Zahlen in diesem Artikel sind Momentaufnahmen aus der Recherche. Maßgeblich sind die aktuell angezeigten Preise und die geltenden Bedingungen von Miles & More.

Was Dynamic Pricing bedeutet — in einfachen Worten

Dynamic Pricing bedeutet vereinfacht gesagt: Der Preis einer Prämie steht nicht mehr in einer festen Tabelle, sondern wird für jeden Flug einzeln berechnet — abhängig davon, was der Flug gerade in Geld kostet. Steigt der Ticketpreis (weil die Maschine voll ist, Ferien sind oder du kurzfristig buchst), steigt auch der Meilenpreis. Fällt der Ticketpreis, fällt auch der Meilenpreis.

Du kennst das Prinzip längst vom normalen Flugbuchen: Derselbe Flug kostet im November 380 Euro und in den Sommerferien 720 Euro. Neu ist nur, dass diese Logik jetzt auch für deine Meilen gilt. Die Meile hat damit keinen tabellenfesten Gegenwert mehr — ihr Wert hängt davon ab, wann, wohin und in welcher Klasse du sie einlöst.

Miles & More hat das nicht erfunden — Delta, United und Flying Blue sind diesen Weg früher gegangen. Für den DACH-Raum ist die Umstellung trotzdem ein Einschnitt, weil viele Sammler ihre Strategie auf die alte Tabelle aufgebaut hatten.

Vorher und nachher: Was sich wann geändert hat

Bis zum 2. Juni 2025 galt eine feste Prämientabelle (Award Chart): Ein Prämienflug kostete eine definierte Meilenzahl je nach Region und Klasse — egal ob du zehn Monate oder zehn Tage vorher buchtest, egal ob Ferienzeit oder Nebensaison. Dazu gab es monatlich wechselnde „Meilenschnäppchen”: rabattierte Prämienflüge, oft der beste Deal im ganzen Programm.

Seit dem 3. Juni 2025 gilt Dynamic Pricing für die Kern-Airlines der Lufthansa Group: Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines und Lufthansa City Airlines. Seit März 2026 sind laut übereinstimmenden Fachquellen auch Discover Airlines und Air Dolomiti dynamisch bepreist — damit ist praktisch die gesamte Lufthansa Group umgestellt.

Bis 2. Juni 2025Seit 3. Juni 2025 (erweitert März 2026)
Lufthansa, SWISS, Austrian, Lufthansa CityFeste PrämientabelleDynamischer Meilenpreis, gekoppelt an den Ticketpreis
Discover, Air DolomitiFeste PrämientabelleSeit März 2026 ebenfalls dynamisch
Partnerairlines (United, LOT, Singapore Airlines u. a.)Feste PrämientabelleWeiterhin fester Zonen-Chart — aber mit erhöhten Meilenwerten
MeilenschnäppchenMonatlich, auch für Lufthansa-Group-FlügeNur noch für Partnerairlines (z. B. Brussels, Eurowings, ITA, LOT)
Preis planbar?Ja, Tabelle öffentlichNein, nur tagesaktuell in der Suche sichtbar
TarifeEinheitlicher Prämientarif (plus Flex-Optionen)Mehrere Tarife (z. B. Light, Classic, Flex) mit unterschiedlichen Meilenpreisen

Auch der feste Partner-Chart blieb nicht ungeschoren. Zum 3. Juni 2025 wurden die Meilenwerte angehoben, vor allem in den Premiumklassen. Dokumentierte Beispiele für Hin- und Rückflug: Europa–Südostasien in Business von 142.000 auf 200.000 Meilen (rund +41 %), Europa–Nordamerika in Business von 112.000 auf 125.000 Meilen (+11,6 %), Europa–Australien in Business von 192.000 auf 260.000 Meilen. Vereinzelt wurde es sogar günstiger, etwa Europa–Ozeanien in Economy von 100.000 auf 95.000 Meilen.

Zwei weitere Änderungen, die im Alltag auffallen: Bei dynamisch bepreisten Prämientickets richten sich Leistungen wie Freigepäck jetzt nach dem gebuchten Tarif, nicht mehr nur nach deinem Status — wer als Senator einen Light-Tarif mit Meilen bucht, hat kein Freigepäck automatisch dabei. Und die früher beliebte Flex-Plus-Option ist entfallen.

Wie der dynamische Meilenpreis zustande kommt

Miles & More legt die exakte Preisformel nicht offen. Aus den offiziellen Angaben und den unabhängigen Analysen von meilenoptimieren.com und First Class & More ergibt sich aber ein klares Bild:

  1. Kopplung an den Geldpreis. Der Meilenpreis orientiert sich am aktuellen Ticketpreis des Fluges. Es gibt dabei ausdrücklich keinen festen Umrechnungskurs (etwa „1.000 Meilen = 20 Euro”) — das Verhältnis schwankt je nach Strecke, Klasse und Tarif.
  2. Buchungsklasse und Tarif. Wie beim Barverkauf gibt es Tarifstufen (auf der Langstrecke z. B. Light, Basic/Classic, Flex; in Business auch einen günstigeren Saver- bzw. Light-Tarif). Jeder Tarif hat seinen eigenen Meilenpreis. Sind die günstigen Buchungsklassen ausverkauft, zahlst du automatisch mehr Meilen.
  3. Strecke und Abflugort. Derselbe Langstreckenflug kostet ab Frankfurt oft deutlich mehr Meilen als mit Zubringer ab Oslo, Lissabon oder Sofia — Analysen fanden Unterschiede von teils 50 bis 70 %. Das spiegelt schlicht die unterschiedlichen Cash-Preisniveaus dieser Märkte.
  4. Kein Mindest-, kein Höchstpreis. Nach unten sind erstaunlich günstige Preise möglich (innereuropäische Business-Prämien wurden zeitweise ab rund 5.500 Meilen dokumentiert), nach oben gibt es keine dokumentierte Deckelung.

Ein Punkt ließ sich nicht abschließend klären: wie stark der reine Buchungszeitpunkt den Preis treibt. Eine Analyse von meilenoptimieren.com kam zum Ergebnis, dass kurzfristige und langfristige Buchungen zum selben Zeitpunkt oft identisch bepreist waren — entscheidend sei die verfügbare Buchungsklasse, nicht der Abstand zum Abflug. Da kurzfristig aber meist nur noch teure Buchungsklassen übrig sind, läuft es praktisch auf dasselbe hinaus: Kurzfristig ist in der Regel teurer. Zum Zeitpunkt der Recherche konnte ich die genaue Mechanik dahinter nicht zuverlässig bestätigen.

Übrigens: Die Steuern, Gebühren und Zuschläge zahlst du weiterhin zusätzlich in Geld — und genau hier hat sich still einiges verschoben, dazu gleich mehr.

Was aus den Meilenschnäppchen wurde

Die Meilenschnäppchen — monatlich wechselnde, rabattierte Prämienflüge — waren für viele der Hauptgrund, überhaupt bei Miles & More zu sammeln. Für Lufthansa, SWISS, Austrian und Co. gibt es sie seit der Umstellung nicht mehr; Miles & More hat das mit der Einführung der dynamischen Preise ausdrücklich beendet.

Ganz verschwunden sind sie aber nicht: Für Partnerairlines mit festem Chart bestehen die Schnäppchen weiter. Die offizielle Flugprämien-Seite nennt aktuell unter anderem Brussels Airlines, Croatia Airlines, Eurowings, ITA Airways, LOT Polish Airlines und Luxair. Wer flexibel ist, findet hier weiterhin planbare Rabatte — nur eben nicht mehr auf dem Lufthansa-Kranich.

An ihre Stelle treten bei den dynamischen Airlines sogenannte situative Schnäppchen: Weil der Meilenpreis dem Geldpreis folgt, tauchen immer wieder auffällig günstige dynamische Preise auf — sie stehen nur in keinem Newsletter, du musst sie selbst in der Kalendersuche finden.

Über ein Jahr Dynamic Pricing: Was die Daten zeigen

Nach mehr als einem Jahr lässt sich die Umstellung erstmals seriös bilanzieren. Die ausführlichste unabhängige Auswertung stammt von meilenoptimieren.com: 102 vergleichbare Business-Class-Strecken ab Frankfurt, München, Zürich und Wien, beobachtet von September 2025 bis Juli 2026. Die Ergebnisse:

  • Meilenpreise: im Schnitt +6,8 % (von durchschnittlich 62.902 auf 67.186 Meilen). 94 von 102 Strecken wurden teurer, nur 8 günstiger.
  • Zuzahlungen (Steuern, Gebühren, Zuschläge): der eigentliche Kostentreiber. Ab Frankfurt +35,3 % (von 470 auf 636 Euro), ab München +39,2 %, ab Zürich +44,1 %, ab Wien sogar +52,1 % (von 483 auf 735 Euro).
  • Effektive Gesamtverteuerung: je nach angesetztem Meilenwert etwa 14 bis 25 %.
  • Ausreißer nach oben: Delhi +26,6 %, Singapur +22,1 %, Seoul +21,6 %. Günstiger wurden nur wenige Strecken, etwa Los Angeles ab Wien (−6 %).

Frühere Auswertungen derselben Quelle zum Systemstart zeigten in den Spitzen noch drastischere Effekte: First-Class-Prämien im Flex-Tarif im Schnitt rund 54 % teurer als nach alter Tabelle (einzelne Flüge bis +86 %), Economy-Langstrecke im Flex-Tarif rund +58 %, Business im Mittel +21 % — bei gleichzeitig einzelnen Strecken, die günstiger wurden. Kurz: Das System verteilt um. Im Durchschnitt zahlst du mehr, an den Rändern gibt es echte Gewinner.

Und die Community? Im Vielfliegertreff, dem größten deutschsprachigen Vielfliegerforum, ist die Umstellung das dominierende Thema — der Sammelthread umfasst inzwischen weit über 140 Seiten mit tausenden Beiträgen. Die Stimmung ist überwiegend kritisch: fehlende Planbarkeit, gestiegene Zuzahlungen („es kostet nicht nur Meilen, sondern auch Steuern”) und die Sorge, dass sich das Sammeln über Kreditkarten und Alltagspartner kaum noch rechnet. Einzelne Stimmen sehen Gewinner unter flexiblen Buchern und Gelegenheitsfliegern (günstige Economy-Light-Prämien innereuropäisch). Das ist Erfahrungswissen, keine offizielle Statistik — aber es deckt sich auffällig gut mit den Daten oben.

Und die anderen Programme? Der große Systemvergleich

Miles & More ist mit dem Schritt nicht allein — aber auch nicht die einzige Option. So bepreisen die vier für den DACH-Raum wichtigsten Programme ihre Prämienflüge (Stand: August 2026):

ProgrammPreissystem eigene AirlineBesonderheiten
Miles & More (Lufthansa Group)Dynamisch, an Cash-Preis gekoppeltFester Zonen-Chart nur noch für Partnerairlines; Meilenschnäppchen nur noch bei Partnern
Flying Blue (Air France-KLM)Voll dynamisch — derselbe Flug kann je nach Tag z. B. 25.000 oder 60.000 Meilen kostenMonatliche Promo Rewards mit bis zu 50 % Rabatt auf ausgewählte Strecken; kein veröffentlichter Chart
Avios (British Airways, Iberia u. a.)Fester Zonen-Chart nach Distanz mit Peak/Off-Peak-KalenderPreis steht vorab fest; Reward Flight Saver deckelt auf vielen Strecken die Zuzahlung
KrisFlyer (Singapore Airlines)Fester Saver- und Advantage-Chart (zuletzt zum 1. November 2025 angehoben)Seit November 2025 zusätzlich dynamische „Access Awards” als Aufpreis-Option, wenn Saver ausgebucht ist

Die Richtung der Branche ist erkennbar: Flying Blue ist längst dynamisch, KrisFlyer hat sich eine dynamische Zusatzstufe gebaut und die festen Charts verteuert. Wirklich feste, vorab kalkulierbare Preise auf der eigenen Airline bieten unter den relevanten Programmen vor allem noch Avios (mit Peak/Off-Peak-Kalender) und der KrisFlyer-Saver-Chart — solange man einen der begrenzten Saver-Plätze bekommt.

Ein oft übersehener Punkt für Lufthansa-Fans: Lufthansa-Group-Flüge kannst du nicht nur mit Miles & More buchen. Als Star-Alliance-Airlines sind sie auch über Partnerprogramme wie Air Canada Aeroplan, United MileagePlus oder Avianca LifeMiles buchbar — und diese Programme nutzen weiterhin feste bzw. distanzbasierte Charts. Aeroplan etwa berechnet nach Distanz-Zonen und erhebt auf Partnerbuchungen keine Treibstoffzuschläge, nur eine kleine Buchungsgebühr. Der Haken: Partnerprogramme sehen nur das begrenzte Kontingent an Prämienplätzen, das Lufthansa für Partner freigibt — nicht die volle dynamische Auswahl. Avios und Flying Blue helfen dir hier übrigens nicht: British Airways gehört zu Oneworld, Air France-KLM zu SkyTeam — mit deren Meilen kommst du nicht auf Lufthansa-Group-Flüge. Sie sind eine Alternative fürs Sammeln insgesamt, kein Ersatzschlüssel für denselben Lufthansa-Sitz.

Vier Szenarien aus der Praxis

Szenario 1: Familie, Sommerferien, Economy nach Mallorca. Vier Personen, festes Reisefenster, Economy. Hier zeigt Dynamic Pricing beide Gesichter: In den Ferien sind die Cash-Preise hoch, also auch die Meilenpreise — und mal eben 4× Meilen für teure Termine einzusetzen, bringt selten guten Gegenwert. Außerhalb der Ferien dagegen sind innereuropäische Economy-Light-Prämien oft spürbar günstiger als nach alter Tabelle. Wer zeitlich flexibel ist, gewinnt; wer an Schulferien hängt, verliert meistens. Prüfe hier immer zuerst den Geldpreis — liegt er bei 120 Euro, sind selbst 20.000 Meilen ein schlechter Tausch.

Szenario 2: Paar mit 250.000 Meilen, Business nach Asien, halbwegs flexibel. Heute kostet das ab Frankfurt laut Ein-Jahres-Analyse im Schnitt rund 67.000 Meilen plus gut 600 Euro Zuzahlung pro Person und Strecke — je nach Termin stark schwankend. Die zwei wirksamsten Hebel: die Kalender-/Monatsansicht der Meilensuche, um günstige Preiscluster zu finden, und ein alternativer Abflugort (etwa Skandinavien oder Osteuropa), der denselben Flugweg teils dramatisch verbilligt. Alternativ lohnt der Blick auf den festen Partner-Chart: Business nach Asien mit einer Partner-Airline wie LOT oder Singapore Airlines ist planbar bepreist — sofern Prämienplätze verfügbar sind.

Szenario 3: Vielflieger mit großem Meilenpolster, Ziel First Class. Die schlechte Nachricht: First-Class-Prämien wurden im Schnitt am stärksten verteuert (rund +54 % im Flex-Tarif, Spitzen bis +86 %). Die interessante Nachricht: Weil der Preis dem Markt folgt, tauchen punktuell auffällig günstige First-Preise auf — dokumentiert wurden z. B. Momentaufnahmen um 60.000 Meilen nach Hongkong oder rund 67.700 Meilen ab Dublin an die US-Westküste. Solche Preise sind flüchtig und nicht garantiert; wer sie will, braucht Preisalarm-Mentalität statt Tabellenwissen.

Szenario 4: Kurzfristige Reise, Cash-Preis explodiert. Morgen zum Kundentermin oder spontanen Familienbesuch — und der Flug kostet plötzlich 900 Euro. Genau hier sind Meilen oft überraschend stark: Der Meilenpreis steigt zwar mit, aber nicht immer proportional, und du sparst dir die hohe Cash-Ausgabe. Kurzfristige, in Geld teure Flüge gehören heute zu den besseren Einlösungen bei Miles & More — die Meilenwert-Formel im nächsten Abschnitt zeigt dir, ab wann.

So rechnest du nach, ob sich die Einlösung lohnt

Die wichtigste Gewohnheit im dynamischen System: Vergleiche jeden Prämienflug mit seinem Geldpreis. Die Formel dafür:

Meilenwert = (Barpreis des Fluges − Steuern/Gebühren des Prämienfluges) ÷ eingesetzte Meilen

Beispielrechnung (fiktive Werte, keine realen Preise): Ein Business-Class-Flug kostet 1.800 Euro in Geld. Als Prämie kostet er 70.000 Meilen plus 600 Euro Zuzahlung. Dann ersparst du dir 1.800 − 600 = 1.200 Euro mit 70.000 Meilen — das sind rund 1,7 Cent pro Meile. Als grobe Orientierung aus der Fachszene: Unter etwa 1 Cent pro Meile ist eine Einlösung schwach, ab etwa 1,5 Cent ordentlich, ab 2 Cent gut. Feste offizielle Werte gibt es nicht — es ist eine Faustregel, keine Garantie.

Daraus folgen die Strategien, die im neuen System tatsächlich funktionieren:

  1. Immer zweigleisig suchen: denselben Flug einmal in Meilen, einmal in Euro aufrufen. Erst der Vergleich zeigt, ob die Prämie gut ist.
  2. Kalenderansicht nutzen: Die Meilensuche zeigt Preise im Monatsüberblick. Günstige Tage stechen sofort heraus — das ist der Ersatz für den alten Schnäppchen-Newsletter.
  3. Abflugort variieren: Zubringer ab Oslo, Lissabon, Sofia & Co. können die Meilenzahl massiv drücken. Positionierungsflug einrechnen, dann lohnt es sich oft trotzdem.
  4. Partner-Chart als Anker: Für planbare Premium-Einlösungen die Partnerairlines mit festem Chart prüfen (und deren weiterhin existierende Meilenschnäppchen).
  5. Tarife vergleichen: Light/Saver-Tarife kosten deutlich weniger Meilen — aber prüfe, ob Gepäck und Stornobedingungen zu dir passen, auch als Statuskunde.
  6. Meilen nicht mehr horten: In einem dynamischen System ohne Preisgarantie ist ein großes Meilenpolster ein Klumpenrisiko. Sammle mit konkretem Einlöseziel, nicht auf Vorrat.

Entscheidungshilfe: Was passt zu deiner Situation?

Wenn du …… dann
zeitlich flexibel bist und Preise beobachten kannstKalendersuche + Cash-Vergleich nutzen — du gehörst zu den Gewinnern des Systems
feste Reisedaten hast (Ferien, Events)Meilenpreis kritisch mit Geldpreis vergleichen; oft ist Cash zahlen und Meilen aufheben besser
Business/First auf Langstrecke willst und planen musstfesten Partner-Chart (LOT, Singapore Airlines & Co.) oder Star-Alliance-Programme wie Aeroplan prüfen
kurzfristig fliegen musst und Cash-Preise explodierenMeilen einsetzen — hier liefert Dynamic Pricing oft die besten Werte
hauptsächlich günstige Economy-Strecken fliegstMeilenwert pro Einlösung nachrechnen; unter ~1 Cent pro Meile lieber nicht einlösen
gerade erst mit dem Sammeln anfängstprüfen, ob dein Profil besser zu Avios, Flying Blue oder KrisFlyer passt, bevor du dich festlegst
ein sehr großes Meilenpolster hastzügig konkrete Einlöseziele definieren statt weiter zu horten — Planungssicherheit gibt es nicht mehr

Wann lohnen sich Miles-&-More-Meilen jetzt NICHT mehr?

Ein ehrliches Wort, denn genau dafür gibt es diesen Abschnitt:

  • Für günstige Economy-Flüge zu Standardterminen. Wenn der Flug 150 Euro kostet, ist fast jede Meilenzahl ein schlechter Tausch. Das war schon vor der Reform oft so — durch die Kopplung an den Cash-Preis ist es jetzt systematisch so.
  • Als planbare „Sparbuch-Strategie”. Jahrelang auf ein festes Traumziel zu einem festen Meilenpreis hinsparen funktioniert nicht mehr. Der Preis, den du heute siehst, gilt morgen nicht mehr — und historisch zeigen dynamische Systeme eher schleichende Verteuerung als Stabilität.
  • Wenn deine Meilen fast ausschließlich aus Kreditkarte, Payback und Abos stammen und du selten fliegst. Die gestiegenen Meilenpreise und vor allem die um 35 bis 52 % gestiegenen Zuzahlungen fressen den mühsam ersammelten Gegenwert schneller auf als früher. Rechne dein Sammelverhalten einmal ehrlich durch, bevor du weitermachst.
  • Für Familien mit Ferienbindung. Hochsaison heißt hohe Cash-Preise heißt hohe Meilenpreise — multipliziert mit vier Personen. Hier sind feste Charts mit Peak/Off-Peak-Logik (Avios) oder Promo-Fenster (Flying Blue) strukturell freundlicher.
  • Wenn dir Planbarkeit wichtiger ist als der letzte Prozentpunkt Wert. Wer wissen will, was der Traum-Flug kostet, bevor er zwei Jahre darauf hinsammelt, ist bei Programmen mit festem Chart schlicht besser aufgehoben.

Umgekehrt bleiben Miles-&-More-Meilen stark: bei kurzfristigen, in Geld teuren Flügen; bei Premium-Kabinen über den festen Partner-Chart; bei flexibler Terminwahl mit Kalendersuche und variablen Abflugorten; und für alle, die ohnehin viel mit der Lufthansa Group fliegen und Meilen nebenbei ansammeln.

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Fazit: Dieselben Meilen, ein anderes Spiel

Dynamic Pricing hat Miles & More nicht wertlos gemacht — aber es hat die Spielregeln umgedreht. Früher belohnte das Programm Geduld und Tabellenwissen, heute belohnt es Flexibilität, Preisbeobachtung und die Bereitschaft, auch mal über Oslo zu fliegen. Die Daten nach einem Jahr sind eindeutig: Im Durchschnitt ist es teurer geworden, vor allem durch die Zuzahlungen. Gleichzeitig sind an den Rändern Preise möglich, die es in der alten Tabelle nie gab.

Für dein Profil heißt das: Bist du flexibel, preisaffin und fliegst ohnehin Lufthansa Group, kannst du dem System sogar Positives abgewinnen — mit Kalendersuche, Cash-Vergleich und Partner-Chart als Werkzeugkasten. Brauchst du Planbarkeit, hast feste Reisedaten oder sammelst fast nur am Boden, würde ich dir eher raten, dein Sammelverhalten zu überdenken: Meilen zügig mit konkretem Ziel einlösen und für die Zukunft prüfen, ob ein Programm mit festem Chart besser zu dir passt. Was deine Meile in Euro und Cent wert ist, rechnest du im Zweifel immer selbst nach — die Formel dafür hast du jetzt.

FAQ

Warum kostet mein Prämienflug heute mehr Meilen als gestern? Weil der Meilenpreis bei Lufthansa, SWISS, Austrian, Lufthansa City, Discover und Air Dolomiti seit der Umstellung an den aktuellen Ticketpreis gekoppelt ist. Steigt der Geldpreis — etwa weil günstige Buchungsklassen ausverkauft sind — steigt der Meilenpreis mit.

Seit wann gilt Dynamic Pricing bei Miles & More? Seit dem 3. Juni 2025 für Lufthansa, SWISS, Austrian und Lufthansa City Airlines. Seit März 2026 auch für Discover Airlines und Air Dolomiti. Für andere Partnerairlines gilt weiterhin ein fester Award Chart.

Gibt es die Meilenschnäppchen noch? Für die Lufthansa-Group-Airlines mit dynamischen Preisen nicht mehr. Für Partnerairlines wie Brussels Airlines, Eurowings, ITA Airways oder LOT gibt es weiterhin Meilenschnäppchen.

Gibt es noch einen festen Miles & More Award Chart? Ja, aber nur für Partnerairlines (z. B. United, Singapore Airlines, LOT). Er wurde zum Juni 2025 vor allem in Business und First angehoben — Europa–Südostasien in Business kostet z. B. 200.000 statt 142.000 Meilen für Hin- und Rückflug.

Sind meine gesammelten Meilen jetzt weniger wert? Im Durchschnitt ja: Unabhängige Auswertungen zeigen für Business-Class-Prämien rund 14 bis 25 % höhere Gesamtkosten als vor der Umstellung, vor allem durch gestiegene Zuzahlungen. Bei geschickter Einlösung (kurzfristige teure Flüge, günstige Abflugorte, Partner-Chart) sind aber weiterhin gute Werte möglich.

Kann ich Lufthansa-Flüge stattdessen mit Avios oder Flying Blue buchen? Nein. Avios (Oneworld) und Flying Blue (SkyTeam) haben keinen Zugriff auf Lufthansa-Group-Flüge. Als Ausweichprogramme mit festen bzw. distanzbasierten Charts eignen sich Star-Alliance-Programme wie Air Canada Aeroplan oder United MileagePlus — allerdings nur für das begrenzte Partner-Prämienkontingent.

Lohnt es sich noch, bei Miles & More zu sammeln? Das hängt von deinem Profil ab: Für flexible Vielflieger der Lufthansa Group ja, für planungsgebundene Gelegenheitssammler, die vor allem am Boden sammeln, oft nicht mehr. Vergleiche vor jeder Einlösung Meilen- und Geldpreis und rechne den Meilenwert nach — unter etwa 1 Cent pro Meile ist die Einlösung schwach.

Werden andere Programme auch dynamisch? Der Trend geht dorthin: Flying Blue ist voll dynamisch, KrisFlyer hat im November 2025 dynamische „Access Awards” eingeführt und die festen Charts verteuert. Feste, vorab kalkulierbare Preise bieten vor allem noch Avios (mit Peak/Off-Peak-Kalender) und der KrisFlyer-Saver-Chart.

Quellen

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